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Untersteller - eine sprachgeschichtliche Betrachtung des Familien-namens

Im Februar 2002 habe ich mich auf der Suche nach weiteren genealogischen Informationen über die 'Untersteller' in Südtirol an das in Bozen ansässige Südtiroler Landesarchiv gewandt. In einem Schreiben hat der für das Landesarchiv tätige Sprachwissenschaftler Christian Kollermann mir seinerzeit eine Reihe interessanter sprachgeschichtlicher Hinweise über die Entstehung unseres Familiennamens gegeben, die ich nachfolgend auszugsweise wiedergebe.

Im Sommer 2005 konnte ich mich davon überzeugen, dass die in dieser frei zugänglichen Einrichtung der Provinz Südtirol archivierten Unterlagen - darunter alte Kirchenbücher und Gemeindeakten - weitere für unsere Familiengeschichte aufschlussreiche Details enthalten.

"Dass der Name "Untersteller" ursprünglich eine Berufsbe-zeichnung oder vielmehr Tätigkeitsbezeichnung war, kann nur bestätigt werden. Dies beweist die von Ihnen zitierte Erstnennung des Namens von 1364: "Petrus d. Untersteller de monte Putleide". Das "d." in "d. Untersteller" beweist, dass es sich hier noch nicht um einen Familiennamen, sondern um einen Beinamen handelt. Er diente dazu, die Person mit dem Vornamen "Petrus" durch die Angabe der Tätigkeit "d. Untersteller" genauer zu bestimmen.

Zur zusätzlichen Verdeutlichung wurde auch die Herkunft dieser Person namens "Petrus", die also die Tätigkeit eines "Unterstellers" ausübte, genannt: "de Putleide". Der Name "Putleide" stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus lateinisch betulletum, das soviel wie "birkenreiche Gegend", also "Birkenwald, Birkach" bedeutete. Der Kontext des Beleges lässt vermuten, dass sich dieses "Putleide" im Schnalstal befand. In den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen konnte aber leider keine Schnalser Örtlichkeit, die heute etwa "Padlait" lauten müsste, ausfindig gemacht werden.

Interessanterweise finden wir aber im übrigen Vinschgau betulletum-Namen, die zum Teil aber auch schon ausgestorben sind, mehrfach: z. B. zwischen Tartsch (Gemeinde Mals) und Glurns: "in Budleyt" (1530); in Mals: "auf Butley" (1536), "auf Wutley" (1729);  in Agums (Gemeinde Prad am Stilfser Joch): Bedleit; in Stilfs: Batlai. Dass das in Zusammenhang mit "Petrus d. Untersteller" genannte "de monte Putleide" zu einem der erwähnten betulletum-Namen gehört, ist aber aus sachlichen Gründen eher unwahrscheinlich. Diese "Putleide" ist wie gesagt wohl eher in Schnals zu suchen.

Die aber mit noch kniffligere Frage ist aber folgende: Was für eine Tätigkeit wurde durch einen "Untersteller" bezeich-net? Nach längeren Überlegungen kommt für mich am ehesten folgende Möglichkeit in Frage: Im Tirolerischen bedeutet das Verb "schtélln" (mit geschlossenem e) unter anderem auch "abliefern". Das sogenannte "Schéllfiich" (Stellvieh) ist das Vieh, das abgeliefert werden muss (also für den Verkauf oder den Markt bestimmt ist). Ein älteres Verb "unterstellen" würde dagegen wörtlich "das Vieh unterstellen" bedeuten. Der "Untersteller" könnte jene Person gewesen sein, die zwischenzeitlich auf dem eigenen Hof oder im eigenen Stall das fremde Vieh unterstellte, ihm also Unterschlupf gewährte, weil allenfalls der Weg zum Markt zu lang war. Vielleicht ging es auch nur darum, dass sich die Tiere in der Zwischenzeit eine Rast oder eine Verkösti-gung gönnen sollten. Der Unterstell-Hof wäre demnach der Hof, auf dem das Vieh "unter-gestellt", also zwischenzeitlich deponiert wurde.

Die oft anzutreffende Schreibweise mit ö, also "Unterstöller" ist überhaupt nichts Ungewöhnliches. In älteren Schrei-bungen ist dieses ö immer als geschlossenes e wie in tirolerisch Schtélle "Stelle", Hélle "Hölle" zu lesen, und nicht etwa als offenes e oder gar ö wie in hochdeutsch Stelle, Hölle."

Cristian Kollmann
Südtiroler Landesarchiv

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Ergänzende Anmerkung zu dem Schreiben des Südtiroler Landesarchivs:

Beim Besuch des oberhalb von Naturns befindlichen Sonnenbergs und der dort gelegenen beiden "Unterstell-Höfe" im Sommer 2005 habe ich auch den wunderschön gelegenen "Patleid-Hof" besucht. Er befindet sich auf 1386 m nur unweit des "Unterstell-Hofs" Zurück geht der Name offensichtlich auf einen 1 bis 2 km nördlich des "Unterstell-" und "Patleid-Hofs" verlaufenden Bergrücken, dessen auf 2301 m Höhe vorstehende Kante und deren Umgebung seit jeher Patleidereck heißt.

© F. Untersteller 2001
last update 10.9. 2005

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